der Erzaehler
Ob in griechischen Mythen, mittelalterlichen Märchen oder der Legende des Großvaters: erst in der Erzählung erwacht die Vergangenheit zum Leben. Mal erscheint sie traumhaft und vernünftig, oft betörend und verstörend, meistens jedoch lehrreich und auch wohlgesinnt.
Dieser Tradition der einstigen Geschichtenerzähler verpflichtet, widmet sich Przemek Schreck in seiner Vortragsreihe „kafkaleidoskop“ dem Schriftsteller Franz Kafka. Voller Einzigartigkeit, Leidenschaft und Komik war das Leben des Künstlers. Ganz unscharf oft die Trennungslinie zwischen Wach sein und dem Phantastischen. Und ganz ähnlich ist auch Przemeks Blick auf den Autor: anekdotenreich, phantastisch-verspielt und zusammenhängend zugleich- wie eine Fabelwelt entfaltet sich Kafkas Welt vor uns.

„Man muss bezaubern, wenn man etwas Wesentliches bekommen will“, und darum ging es Kafka unentwegt: um das Wesentliche und den Zauber. Und er verzaubert uns fortan in seinen Märchen und Geschichten, in den Briefen und Tagebüchern, ja beinah auf Schritt und Tritt.

In Przemeks Geschichten taucht diese Welt wieder auf und wir gewinnen einen facettenreichen Blick auf den sagenumwobenen Mann, der mal Gärtner, mal Soldat, mal Reiseführerverleger und mal Bauer werden wollte. Dem das Schreiben heilig war und der das Abwägen derart meisterhaft beherrschte, dass darüber eine Entscheidung allzu oft unmöglich geworden war.

Przemeks Anekdoten bleiben im Gedächtnis. Und so wie die Geschichten das Gedächtnis einer Gemeinschaft sind, so sind auch die Kafka-Geschichten ein wunderbarer Schatz, den wir hüten müssen und lauschen und immer wieder weitererzählen…