Anno 1912 – Franz Kafka wird Schriftsteller
„Möglichst viel Sonne und frische Luft“ lautet Kafkas Kurplan und diesen befolgt er streng in der Just‘schen Naturheilanstalt „Jungborn“ an den Hängen des Harzes. Die ausgewiesene Heimstätte für natürliche Heil- und Lebensweise soll Kafkas „ungeheuren Welt, die ich im Kopfe habe“ etwas Erholung verschaffen.

Man lebt hier in einfachen Lichtlufthäuschen, schläft im Freien, turnt ganze Nachmittage hindurch nackt auf den weitläufigen Wiesen, wendet Heu, singt, gärtnert und ist fröhlich und heiter. Die Rückführung zur Natur und die bewusste, zuweilen esoterische Lebensweise verspricht Linderung. Noch ahnt Kafka nicht, dass ihm Wochen bevorstehen, die sein Leben in entscheidender Weise verändern werden.

Ganz im Stillen, im Zimmer seines Freundes Max Brod, will Kafka noch schnell die Reihenfolge der Geschichten seiner ersten Veröffentlichung festlegen, doch die Überraschung wartet schon im Speisezimmer der Familie Brod: eine fesche Berlinerin, die man hier noch nie gesehen hat! Kurz darauf dann der erste Brief und die entscheidende Nacht, nach der nichts mehr sein wird wie zuvor: „Nur so kann geschrieben werden, nur in einem solchen Zusammenhang, mit solcher vollständigen Öffnung des Leibes und der Seele“

Und dabei ist es erst der Anfang…